Veracruz und der lange Weg nach Deutschland

Eigentlich war unser Plan von Veracruz nach Uruguay zu verschiffen. Den hätten wir nicht umsetzen können, da mittlerweile (mitte März) sämtliche Grenzen und einige Häfen Südamerikas geschlossen sind. So langsam erreichen uns panische Berichte aus Europa. COVID 19 beherrscht die Nachrichten. Einfach ignorieren wäre eine Möglichkeit. Should we stay or should we go? Hier in México ist eigentlich noch alles entspannt … wie immer .

So genießen wir ein paar Tage am Meer, 20 Kilometer südlich von Veracruz. Die Entscheidung ist gefallen – unser Lufthansa Flug ist für 22.3.20 ab México City nach Frankfurt gebucht.

Das Schiff mit „Haus“ soll Veracruz laut Plan am 31. März Richtung Hamburg verlassen. Unser Zuhause in dieser unsicheren Zeit zurück zu lassen ist für uns keine Option. Wer weiß wann man wieder zurück fliegen kann. Im Nachhinein eine gute Entscheidung.

Karen und Dennis kommen, so lieb, aus 200 km Entfernung angereist um uns Adios zu sagen. Die letzten entspannten Tage mit Freunden in México stimmen uns ein wenig traurig.

Ab dann wird es hektisch und ungewiss. Victor unser Shipping Agent vor Ort schafft es nicht die mexikanische Drogenkontrolle zu überzeugen unser Auto vor Abflug zu kontrollieren. Also übergeben wir schweren Herzens seinen Kontaktleuten, neben dem üblichen Zündschlüssel, auch noch unseren Kabinen Schlüssel (für uns Overlander ein absolutes no go). Unser FUSO wird ohne uns in den Hafen gefahren. Adios – farewell… . Victor verspricht uns im Hafen dabei zu sein, nach der Kontrolle alles gut abzuschließen und den Schlüssel dann zu vernichten. Es kursieren haarsträubende Geschichten über Fahrzeug Einbrüche – manche wahr manche sehr ausgeschmückt, wir werden sehen und vertrauen.

In México wird es langsam ernst. Am Flughafen tragen alle Masken, Fieber wird gemessen, Formulare ausgefüllt. Als wir in México City ankommen erfahren wir, dass die Lufthansa den Flug, ohne uns zu informieren, annulliert hat. Was nun? Flug gebucht von Cancun nach Frankfurt. In Cancun angekommen, wird uns von schadenfrohen Reiseleitern diverser Reiseveranstalter mitgeteilt: Flüge nur für Pauschaltouristen. Die Condor hält es nicht für nötig uns zu informieren, obwohl wir auch diesen Flug bezahlt haben. Die Abflughalle ist voll mit Menschen. Die sogenannten „Rescue Flights“ des Auswärtigen Amt sind ausschließlich für Pauschaltouristen. Alle anderen können sehen wie sie weg kommen. Die USA lässt keine Touristen mehr in den Transit zur Weiterreise. KLM, Air France, Edelweiß etc. nehmen nur ihre Landsleute mit. Unsere Rettung ist letztendlich die Air Canada. Der Weg an die Tickets zu kommen ist nicht einfach, da die Nachfrage extrem hoch ist. Canada verzichtet auf das sonst nötige Visum und wir dürfen durch den Transit weiter. Das Flugzeug ist voll mit Deutschen  die sonst keine Möglichkeit gehabt hätten schnell nach Hause zu kommen. Danke Canada. Cancun-Toronto-Montreal-Brüssel-Frankfurt. Am 24. März landen wir in Frankfurt … ohne Kontrolle bei der Einreise.

Wir begeben uns in „Selbst Quarantäne“. Aber die Ankunft in Deutschland ist ein echter Schock. Wir sind zwar irgendwie froh, dass wir zurück sind, aber um ehrlich zu sein nur irgendwie. Viele Menschen sind deprimiert, die Stimmung ist leicht panisch, angespannt und geisterhaft.

Aber die Sonne scheint.

Jetzt muss nur noch unser FUSO gut ankommen. Das Schiff hat dann auch noch Verspätung. Als es dann endlich losgeht erfahren wir, das er in Kingston, Jamaika ausgeladen wird und dort  für 10 Tage auf ein anderes Hoegh Schiff warten muss. Schock. Kingston – ein sicherer Hafen? Der Hafen in Veracruz sah ja sehr gut bewacht aus, schließlich werden von hier aus BMW, VW etc. in die ganze Welt verschifft.

Letztendlich kommt unser „Haus“ ca. 2 Monate nach uns in Hamburg an –  mit uns auf den Schiffen waren noch 6 andere Overlander Fahrzeuge mit Ziel Deutschland. 2 wurden in Bremerhaven ausgeladen, 4 in Hamburg. Das Erstaunliche: die Autos in Hamburg waren unversehrt,  die Fahrzeuge in Bremerhaven, waren aufgebrochen. Irgendwie drängt sich uns der Gedanke auf, daß die Einbrüche NICHT in Mexico oder Jamaika passiert sind. Wir sind jedenfalls glücklich, dass unser Haus unversehrt ist. Nichts gestohlen, keine Spuren – nichts defekt. Danke auch an Victor, der so gut aufgepasst hat. Der FUSO stand fast 3 Wochen in Veracruz im Hafen und 10 Tage in Jamaika – Glück oder sicher – sucht es euch aus. Nur ganz schön dreckig ist er.

Es war ein zu abrupter Abschied unserer Reise und von México. Traurig zu sehen, daß viele Mexikaner ihr Einkommen verlieren und jetzt arbeitslos sind, dieses Land und viele andere wieder weit zurück geworfen werden.

Wir kämpfen monatelang mit Lufthansa und Condor um die nicht unerheblichen Beträge der annullierten Flüge zurückzubekommen. Condor reagiert gar nicht, die Lufthansa schreibt freundliche emails zahlt aber auch nicht.Nur über einen Umweg und nicht freiwillig seitens der Fluglinien haben wir nach fast 3 Monaten das Geld zurück.

Wir werden unsere Reise bald wieder starten. Südamerika muss aber noch ein wenig warten.

Veracruz – authentisch & ganz nice
Cuddly
Mit Karen & Dennis …
… im Centro Historico, Veracruz
… und den echt riesigen Hafen von Veracruz
Hafenblick aus unserem Hotel …
PEMEX Gebäude
Must visit Parroquia Cafe Veracruz
Werden wir vermissen
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Unförmig, aber mit riesigem Bauch
Adios Amigos! Stamper & Dennis
„Haus“, Retorno definitivo!
Victor unser Agent, Schlüsselübergabe
Wir hoffen das Beste – Gute Reise „Haus“
Aeropuerto Benito Juarez, beginn der Odysee
Letzter Blick auf Popocatepetl
Cancun airport, alle müssen zurück
Mit Air Canada, Montreal nach Brüssel
Ankunft Toronto, WINTER
Canada. Erstmal zu Timmis
Frankfurt Airport – Geisterhaus, geschafft.
Frankfurt 1. Mahlzeit – richtiges Gericht falsche Uhrzeit
Zurück in Hamburg – „Haus“ abholen. Der Kreis schliesst sich vorerst. Wo vor 3 Jahren alles begann.
Vorherige Schäden korrekt aufgemalt
Rollt!
Morgen gehts Heim
United! 🙂 Alles gut, keine Schäden etc. Danke Victor

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